


Warum ein PerspekTIERwechsel?
Der Architektur- und Planungsdiskurs ist stark anthropozentrisch geprägt. Freilebende Tiere und ihre Bedürfnisse werden bislang nur selten berücksichtigt – obwohl Städte artenreiche Lebensräume sind. Gleichzeitig zeigen sich die Auswirkungen planerischer Entscheidungen deutlich: In Deutschland sterben jährlich schätzungsweise 100 Millionen Vögel durch Glasfassaden.
Verkehrsinfrastrukturen und Lichtverschmutzung beeinträchtigen Migration, Fortpflanzung und Nahrungssuche. Energetische Gebäudesanierungen können Lebensräume für Gebäudebrüter wie Fledermäuse und Sperlinge zerstören. Fehlt die planerische Berücksichtigung von Tieren, entstehen zudem Konflikte – etwa mit artengeschützten Reptilien auf Bauerwartungsland oder mit Waschbären, Stadttauben und Ratten. Diese werden häufig durch Verdrängung, Umsiedlung oder Tötung gelöst statt durch Planung.
Können wir Städte so gestalten, dass Habitate erhalten oder neu geschaffen werden? Können wir Konflikte frühzeitig vermeiden? Und kann ein Perspektivwechsel hin zu einer Multi-Spezies-Planung neue Entwurfsansätze ermöglichen?
Die Toolbox für den PerspekTIERwechsel gibt keine abschließenden Antworten – sie bietet jedoch Tools, um sich mit diesen Fragen auseinanderzusetzen und erste Lösungsansätze zu entwickeln. Ziel ist es, das Thema freilebende Tiere stärker in den Studiengängen des Fachbereichs Architektur Stadtplanung Landschaftsplanung (ASL) der Universität Kassel zu verankern.


Tiere in der Stadt
Auch wenn die Artenvielfalt in Städten hoch ist, werden Tiere oft in der „Natur“ außerhalb urbaner Räume gesehen.
Innerhalb der Stadt gelten oft nur Parks und Gärten als geeignete Orte für Tiere, während deren Nutzung anderer urbaner Räume wie Friedhöfen oder Innenstädten häufig als Problem wahrgenommen wird, das durch Verdrängung oder Umsiedlung gelöst werden soll.
Viele Tierarten leben dauerhaft in unseren Städten und nutzen Gebäude und Freiräume als Lebensräume. Sie sind Teil urbaner Ökosysteme und beeinflussen das Leben in der Stadt mehr, als oft gedacht wird.

Stadtgestaltung
Architektur, Stadtplanung und Landschaftsarchitektur beeinträchtigen die Lebensbedingungen von Tieren, wobei in Deutschland jährlich etwa 100 Millionen Vögel an Glasfassaden sterben. Verkehrsinfrastrukturen behindern Migration und Fortpflanzung, während künstliche Beleuchtung zum Insektensterben beiträgt und Zugvögeln gefährlich werden kann. Energetische Gebäudesanierungen zerstören zudem Nistplätze von Gebäudebrütern wie Fledermäusen und Sperlingen.
Planung und Gestaltung können Lebensräume für Tiere erhalten oder neu schaffen, indem sie Gebäude und Infrastrukturen entwickeln, die menschliche und tierische Bedürfnisse berücksichtigen und Konflikte im Zusammenleben reduzieren.

PerspekTIERwechsel
Das Projekt PerspekTIERwechsel nimmt freilebende Tiere in der Stadt in den Fokus und untersucht, wie Städte so gestaltet werden können, dass Habitate erhalten oder neu geschaffen und Konflikte frühzeitig vermieden werden.
Gleichzeitig fragt das Projekt, wie ein Perspektivwechsel hin zu einer Multi-Spezies-Planung neue Entwurfsansätze ermöglichen kann.
Studierende und Lehrende des Fachbereichs ASL der Universität Kassel haben gemeinsam stadtökologisches Wissen erarbeitet und Methoden entwickelt, die Perspektiven von Tieren in städtische Fragestellungen einbeziehen. In experimentellen Formaten wurden Ansätze erprobt, die Beziehungen zwischen Menschen und Tieren erforschen und neue Visionen für ein gemeinsames Leben in der Stadt entwickeln.
Das Projekt lief von Januar 2024 bis März 2026 am Fachgebiet Freiraumplanung der Universität Kassel und wurde von der Stiftung Innovation in der Hochschullehre im Rahmen der Förderlinie Freiraum 2023 gefördert.
Projektleitung:
Dr. Annette Voigt
Kontakt voigt(at)asl.uni-kassel.de
Projektteam:
Margarete Arnold
Sinan Bilgin
Leonie Butterweck
Irene Fischer
Nina Fritsch
Samantha Hentschel
Greta Thole
Maike Rohleder



